14. September – „Prag, wir kommen!“
Am Montag starteten wir um 06:20 Uhr nach Prag, wo wir um 17:00 Uhr angekommen sind. Nach dem Abendessen nutzen viele von uns noch die Zeit, um die Umgebung zu erkunden und einen ersten Eindruck von der Prager Altstadt zu gewinnen.
15. September 2026 – Ankommen, Kennenlernen und Sprachanimation
Unsere 27-köpfige Gruppe erreichte gegen 9 Uhr morgens die Střední odborná škola Drtinova, unsere Partnerschule im Zentrum von Prag. Dort wurden wir von Schülerinnen freundlich begrüßt und durch das Schulgebäude geführt. Anschließend empfing uns die Lehrerschaft: Tomáš Botlík und Veronika Bícová begrüßten unsere Gruppe und eröffneten den gemeinsamen Begegnungstag.
Im Mittelpunkt des Vormittags stand eine Sprachanimation von Tandem, geleitet von Simona Pöder Innerhofer und Eva Raymond. Ziel war es, die deutsche und die tschechische Gruppe auf spielerische Weise miteinander in Kontakt zu bringen sowie erste sprachliche und kulturelle Brücken zu bauen.
Mit vielen abwechslungsreichen Übungen gelang dies sehr schnell. Die Schülerinnen und Schüler lernten sich über Kennenlernspiele, einfache tschechische Begriffe und kleine landeskundliche Aufgaben kennen. Dazu gehörten unter anderem Begrüßungsformen mit der Fußspitze, Bewegungsspiele im Raum, „Schnick-Schnack-Schnuck“, eine Namenslokomotive, geografische Spiele, Übungen zur Flaggenerkennung sowie ein „Danke-Bitte-Ball“.
Besonders lebendig war eine Übung mit drei Stuhlreihen, bei der Symbole von hinten nach vorne weitergegeben und anschließend erläutert werden mussten. Auch Fremdwörter und bekannte Begriffe machten sichtbar, wie viele sprachliche und kulturelle Gemeinsamkeiten es zwischen beiden Gruppen gibt.
Die deutsche und die tschechische Gruppe kamen so humorvoll, ungezwungen und mit viel Freude miteinander in Kontakt. Sprachliche Hemmungen verloren schnell an Bedeutung. Die Jugendlichen konnten erleben, dass sie trotz unterschiedlicher Herkunft vieles gemeinsam haben – in Sprache, Alltag, Interessen und Humor.
16. September 2026 – Gemeinsamer Besuch der Gedenkstätte Lidice
Am Mittwoch machte sich unsere Gruppe begleitet von einer Schülergruppe und einer Lehrerin, Kamila Jakubu, unserer Prager Partnerschule auf den Weg zur Gedenkstätte Lidice. Gemeinsam nahmen wir an einer Führung über das weitläufige, parkähnliche Gelände der Gedenkstätte teil.
Unser Guide Jan Kaláb führte uns über das Gelände des ehemaligen Dorfes. Erst nach und nach erschloss sich uns, welche barbarischen Gräueltaten, an diesem heute so still und friedlich wirkenden Ort, während der nationalsozialistischen Besatzung verübt wurden: Die Ermordung der Männer, die Deportation der Frauen und die brutale Trennung von ihren Kindern hinterließen bei der Gruppe einen tiefen Eindruck.
Kaláb verstand es, die Geschichte sehr einfühlsam und zugleich konkret zu erzählen. Er beschrieb den Alltag der Dorfbewohner vor der Zerstörung und machte durch viele Namen und persönliche Geschichten deutlich, dass hinter den historischen Ereignissen einzelne Menschen und Familien standen.
Besonders eindrücklich waren die wenigen Spuren, die vom alten Lidice geblieben sind. Dazu gehört ein alter Birnbaum, der als eines der letzten lebenden Zeugnisse des früheren Dorfes gilt. Bewegend war auch das große Denkmal für die Kinder von Lidice.
Das Schicksal der Kinder nahm während der Führung einen besonderen Raum ein. Einige wurden ermordet, andere zur sogenannten „Germanisierung“ in deutsche Familien gegeben. Für manche bedeutete dies nach dem Krieg eine weitere schmerzhafte Erfahrung: Sie mussten erneut Bindungen aufgeben und in ein Umfeld zurückkehren, das eng mit dem Ort des Verbrechens verbunden war. In der Nähe entstand später das neue Lidice.
Viele unserer Schülerinnen und Schüler, aber auch die tschechische Gruppe, reagierten sichtbar betroffen und mit großem Ernst. Die gemeinsame Erfahrung machte deutlich, wie wichtig Erinnerungskultur für das Verständnis von Demokratie, Menschenrechten und gesellschaftlicher Verantwortung ist.
Am Ende der Führung blieb besonders ein Satz im Gedächtnis: „Vergesst Lidice nicht!“ Er stand sinnbildlich für den Wunsch, die Erinnerung an die ehemaligen Bewohnerinnen und Bewohner und ihr Schicksal wachzuhalten.
17. September 2026 – Diskussion über Diversität und Inklusion
Am Donnerstag stand für unsere Schülergruppe der Besuch der tschechischen Partnerschule im Mittelpunkt des Tages. Zuvor bot eine einstündige Schifffahrt auf der Moldau die Gelegenheit, Prag – was man sich an den Tagen zuvor bereits von der Landseite aus erschlossen hat – einmal aus einer ganz anderen Perspektive wahrzunehmen. Vorbei an zahlreichen Sehenswürdigkeiten konnten die Schülerinnen und Schüler die besondere Atmosphäre der tschechischen Hauptstadt vom Wasser aus erleben.
Anschließend ging es zur Partnerschule, wo unsere Gruppe von der Direktorin herzlich empfangen wurde. Den Auftakt des gemeinsamen Programms bildeten zwei Präsentationen, in denen wir unser St. Ursula-Berufskolleg sowie Düsseldorf vorstellten, um den tschechischen Schülerinnen und Schülern damit einen Einblick in unseren Schulalltag, unsere Lebenswelt und Kultur zu bieten.
Im Mittelpunkt des Tages stand anschließend ein Thema, das weit über den schulischen Alltag hinaus von Bedeutung ist: „Diversität und Inklusion“. Ein informativer und zugleich anregender Vortrag, der von einer Gruppe von unseren Schülerinnen gehalten wurde, lud dazu ein, über Vielfalt, Teilhabe und den Umgang mit unterschiedlichen Lebensrealitäten nachzudenken.
Besonders wertvoll wurde dieser Programmpunkt durch den anschließenden persönlichen Austausch: Immer wieder erhielten die deutschen und tschechischen Schülerinnen und Schüler Gelegenheit, miteinander ins Gespräch zu kommen. Diese Möglichkeiten wurden intensiv genutzt: Es wurde von eigenen Erfahrungen berichtet, Gemeinsamkeiten und Unterschiede im Schulalltag wurden entdeckt und engagiert darüber diskutiert, welche Rolle Diversität und Inklusion im eigenen Umfeld und der Gesellschaft spielen.
Zum Abschluss des Besuchs erhielten wir einen authentischen Einblick in das tschechische Schulleben. In verschiedenen Gruppen nahmen wir jeweils an zwei Unterrichtsstunden teil und konnten so den Unterrichtsalltag unserer Partnerschule unmittelbar kennenlernen.
Zum Abschluss des Besuchs erhielten wir einen authentischen Einblick in das tschechische Schulleben. In verschiedenen Gruppen nahmen wir jeweils an zwei Unterrichtsstunden teil und konnten so den Unterrichtsalltag unserer Partnerschule unmittelbar kennenlernen.
Diese drei Tage haben sehr deutlich gezeigt, welchen Wert eine Erasmus+-Gruppenmobilität haben kann: Begegnung, gemeinsames Lernen sowie historisch-politische und gesellschaftliche Bildung wurden hier unmittelbar miteinander verbunden. Die Teilnehmenden konnten erleben, dass Europa weit mehr ist als ein politisches, abstraktes Konstrukt oder ein Fleck auf der Landkarte, sondern ein gemeinsamer Erfahrungs- und Erinnerungsraum, der von uns aktiv mitgestaltet werden kann.
18. September 2026 – Heimreise
Am Freitag stiegen wir um kurz nach neun wieder in unseren Bus ein und kamen um 20:15 Uhr müde, aber gesund und voller neuer Eindrücke wieder in Düsseldorf an.
Neueste Kommentare